Depression

Was ist eine Depression und woran erkennt man sie?

Die Depression ist eine psychische Erkrankung, eine sogenannte affektive Störung. Affektiv bedeutet die Gefühlslage und Stimmung betreffend, und daraus resultierend auch den Antrieb und die Aktivität störend.

Depression ist eine relativ häufige Erkrankung! Jede 5.-10. Frau und jeder 10. bis 20. Mann erkrankt daran.

Eine Depression trägt folgende Kennzeichen:

Hauptsymptome

Beziehungen werden nicht mehr gepflegt.

  1. Depressive, gedrückte Stimmung, die meiste Erhöhte Erschöpfbarkeit,
  2. ständige Müdigkeit, Antriebsmangel (alles fällt schwer, man hat keinen Schwung mehr, möchte nicht aktiv sein).
  3. Verlust von Freude und Interessen. Was früher Freude bereitete, z.B. Hobbys oder Zeit des Tages.

Nebensymptome

  1. Verlust des Selbstwertes und des Selbstvertrauens
  2. Unbegründete Schuldgefühle und ständige Selbstvorwürfe
  3. Gedanken, sich das Leben zu nehmen
  4. Schlechtes Konzentrations- und Denkvermögen
  5. Starke innere Unruhe oder innere Gehemmtheit, Starre
  6. Schlafstörungen jeglicher Art. Oftmals Aufwachen früh morgens und Unvermögen, wieder einzuschlafen
  7. Besondere Schwere der Symptome morgens: Morgentief
  8. Appetitverlust und damit einhergehender starker Gewichtsverlust
  9. Das sexuelle Interesse ist eingeschränkt oder erloschen
  10. Zu der depressiven Stimmung kommt sehr oft noch Angst hinzu

Die Schwere der Depression

Bei einer leichten Depression liegen 2 Hauptsymptome und zusätzlich 2-3 Nebensymptome vor.

Bei einer mittelschweren Depression liegen 2 Haupt- und 4-5 Nebensymptome vor.

Bei einer schweren Depression liegen alle 3 Hauptsymptome und mindestens 5 Nebensymptome vor. Zusätzlich kann es bei der schweren Depression zu Wahn- und Halluzinationssymptomen kommen (Schwere Depression mit psychotischen Symptomen).

Wichtig:

Nicht jede gedrückte Stimmung oder Antriebsmangel deutet auf eine Depression hin. Die Symptome müssen mindestens 14 Tage, die meiste Zeit des Tages, unabhängig von den Lebensumständen, auftreten.

Wie entsteht eine Depression?

Man geht bei der Entstehung einer Depression mittlerweile von einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren aus: Man spricht vom sog. Vulnerabilitäts-Stress-Modell:

Vulnerabilität bedeutet auf Deutsch Verwundbarkeit oder Verletzlichkeit.

Viele Einflüsse können einen Menschen verwundbarer als andere machen.

Dazu gehören zum Beispiel: soziokulturelle Einflüsse wie ein Elternhaus, in dem Gewalt oder Sucht an der Tagesordnung war. Auch eine körperliche Erkrankung oder Behinderung können einen Menschen weniger widerstandsfähig machen.

Es gibt auch eine genetische Veranlagung zur Depression: Hatte in der Herkunftsfamilie jemand Depressionen, ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, selbst daran zu erkranken. Die Ursache liegt in einer Störung der Gehirnbotenstoffe Serotonin und Noradrenalin.

Auch fehlende Unterstützung: z.B. Einsamkeit, konstante Überforderung, fehlende Beziehungen fördern die Vulnerabilität.
Ebenso dauerhafter Stress: z.B. Langwährende Belastungen in Beziehungen, am Arbeitsplatz, durch Erkrankungen und Schmerzen usw.

Kritische Lebensereignisse: Tod eines nahestehenden Menschen, schwerwiegende Erkrankungen, Scheidung oder Beziehungsabbrüche, Umzüge, erlittene Traumata.

Denkweisen, die wenig lebensförderlich sind wie z.B.: Ich bin hilflos, ich bin nichts, ich kann nichts, einmal Opfer immer Opfer.

Wenn ein Mensch durch verschiedene Faktoren nun verletzlicher ist, und dann noch aktuell massiver Stress dazu kommt (z.B. ein massiver Konflikt oder Verlust), kann die Depression ausbrechen.

Welche Verlaufsformen gibt es?

Episodisch: Die Krankheit kommt immer wieder in Schüben. Dazwischen liegen gesunde Zeiten, die durchaus einige Jahre betragen können.

Einmalig: Die Depression tritt nur einmal auf und dann nie wieder.

Selten verläuft eine Depression chronisch.

Eine leichtere Form der Depression, die sog. Dysthymia. Sie beginnt oft im jungen Erwachsenenalter und zieht sich ständig und ohne Besserung durchs Leben. Sie kann aber auch im Anschluss an ein Trauma auftreten. Die Symptome sind nicht so ausgeprägt, dass sich eine leichte Depression diagnostizieren ließe. Man ist in der Regel arbeitsfähig, wenn auch unter großen Mühen.

Welche Formen von Depression gibt es?

Wochenbettdepression: Vorübergehend, meist innerhalb der ersten 6 Wochen nach der Geburt.

Burn Out: Erschöpfungsdepression in aussichtsloser Überforderung.

Saisonale Depression: Tritt jahreszeitlich gehäuft in den dunkleren Jahreszeiten auf.

Depressive Reaktion im Rahmen einer Anpassungsstörung: diese depressive Reaktion ist meist leichter bis mittlerer Schwere. SIe tritt nach lebensverändernden Umständen auf, bei denen sich der Mensch nicht einfach schnell anpassenkann. Beispielsweise nach Umzug, Flucht, Verlust eines nahestehenden Menschen,  - der Arbeit, - eines Organs nach OP,  nach Erhalt einer schweren DIagnose, belastender Pflege eines Angehörigen oder ähnlichem.

Maskierte / Larvierte Depression: Die Depression versteckt (maskiert) sich hinter Schmerzen: meist Rücken- , Nacken-, oder Kopfschmerzen.

Agitierte Depression: Innere Unruhe und große Anspannung dominieren. Schlafstörungen und Nicht- zur- Ruhe-kommen sind typische Symptome.

Organisch bedingte Depression: durch eine andere Erkrankung wie z.B. Multiple Sklerose, Parkinson, Schilddrüsenunterfunktion oder Diabetes, aber auch durch Demenz-Prozesse oder einen Gehirntumor kann es zum Ausbruch einer Depression kommen.

Depression bei Entzug oder Konsum von Alkohol und Drogen.

An was sollte man bei depressiver Symptomatik auch denken und unbedingt ärztlich abklären lassen?
Schilddrüsenunterfunktion, Koronare Herzkrankheit, Diabetes, Nebenwirkung von Medikamenten, die man einnimmt, z.B. Betablocker oder „die Pille“, Antirheumatika oder Schmerzmittel.

Therapie der Depression

Bewährt hat sich die Gabe von Antidepressiva, die der Hausarzt oder Facharzt für Psychiatrie verschreibt.

Wichtig zu wissen:

Es dauert ca. 2-3 Wochen, bis die Wirkung der Medikamente eintritt. Da das Medikament genau zum gestörten Hirnstoffwechsel passen muss, kann es sein, dass der Arzt verschiedene Medikamente ausprobieren muss, bevor eines dann genau passt und wirkt.

ANTIDEPRESSIVA MACHEN NICHT ABHÄNGIG! Die neue Generation der Antidepressiva (SSRI, MAO-Hemmer) hat deutlich weniger Nebenwirkungen als die alten, aber immer noch gut bewährten und sehr wirksamen trizyklischen Antidepressiva.

Bei leichten bis mittelschweren Depressionen findet auch Johanniskraut in der Mindestdosis 900 mg / Tag mit sehr guten Ergebnissen Anwendung. Die hohe Dosis muss vom Arzt verschrieben werden.

Zusätzlich zur regelmäßigen Medikamenteneinnahme hat sich Psychotherapie bewährt.

Zu den bewährten Psychotherapieverfahren bei Depressionen zählen

Psychoedukation: Der Psychotherapeut gibt Erklärungsmodelle und Informationen zur Entstehung, Aufrechterhaltung und Therapie der Depression. Wichtig ist hier das „Vulnerabilitäts-Stress-Modell“: Je angegriffener und vorbelasteter ein Mensch schon ist, (zB durch genetische Veranlagung, Krankheit, schwere Kindheit usw.), umso schneller wird eine akute Stresssituation eine Depression auslösen können.

Aktivierung: Erstellen von Tages- oder Wochenplänen, in denen in kleinen Schritten wieder bestimmte Aktivitäten (kleine Pflichten, aber auch Dinge, die gut tun) eingeplant werden. Mit jeder Aktivität wird die Depression bekämpft.
Aktivierungspläne bewähren sich vor allem bei schweren Depressionen, bei denen der Antrieb sehr vermindert ist.
Sehr gute Erfolge erzielt auch tägliches 30 minütiges Spazierengehen. Die Bewegung an sich, das Tageslicht und die Aktivierung wirken wie Antidepressiva.

Verstärker sind Tätigkeiten, die ein gutes Gefühl hinterlassen; diese Tätigkeiten können sowohl wohltuenden Charakter haben, als auch ein dosiertes Arbeiten sein, das nicht überfordert und Befriedigung schafft.
Um diesen verstärkenden Tätigkeiten regelmäßig Raum zu geben, können Verstärkerpläne erarbeitet werden.

Kognitive Umstrukturierung im Rahmen der kognitiven Verhaltenstherapie:
Anhand konkreter Situationen werden im gemeinsamen Gespräch Denk- und Handlungsmuster herausgearbeitet, die zwar aus der Biographie heraus durchaus sinnvoll erscheinen, aber eher schaden als nutzen. (z.B. „Ich muss es immer allen recht machen, sonst werde ich abgelehnt“).

Des Weiteren gibt es für Depressionen typische, verzerrte Denkweisen wie z.B.

  • Alles wird in einer Katastrophe enden, die nicht mehr zu bewältigen ist (Katastrophisieren).
  • Wenn es einmal so lief, wird es immer so sein (Generalisieren).
  • Es gibt nur Schwarz oder Weiß, dazwischen ist nichts.
  • Weil ich es so empfinde, muss es so sein (emotionale Beweisführung).
  • Ich bin nichts, ich kann nichts, das wird mit mir nichts mehr (Kognitive, negative Triade).

Diese Denkweisen sollen erkannt -, im sog. Sokratischen Dialog gezielt hinterfragt -, und durch neue, hilfreichere Gedanken ersetzt werden.

Auf der Basis dieser neuen Gedanken werden dann passende Handlungen kreiert, die dann neue, gute Erfahrungen möglich machen.

Auch die sogenannte ABC- Methode, entwickelt durch Albert Ellis, verfolgt dieses Ziel.

Nach Erlangung einer gewissen Stabilität ist es auch möglich, tiefenpsychologisch orientiert nach Ursachen für die Depression zu forschen, die in der Kindheit liegen. Diese Ursachen können im Heute in der Therapeuten- Patientenbeziehung nochmals bearbeitet werden.

In der Individualpsychologie wird der Mensch ganzheitlich gesehen, das heißt: Körper, Seele und Geist sind miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig.
Deshalb schaut man gemeinsam, welche unbewusste, unverstandene Funktion (Finalität) die Depression haben könnte. Wenn sich ein unbewusstes Ziel der Krankheit zeigt (z.B. Entlastung, Aufmerksamkeit von anderen, Schutz, Vermeidung von Unangenehmem, …), schaut man, wie dieses Ziel auch durch geeignetere Methoden erreicht werden kann.

Thematisieren von Suizidalität:
Das Thema Eigenaggression, Selbstverletzungs- und Selbsttötungsabsicht wird immer wieder angesprochen und nach konkreten Abhilfemöglichkeiten gesucht.
Suizidalität ist meistens ein Thema bei schwerer Depression, und muss erkannt und bearbeitet werden.

Weitere Therapieansätze:

  • Das Erlernen eines Entspannungsverfahrens wie zB Progressive Muskelentspannung oder
  • Autogenes Training, zur Verringerung der inneren Anspannung
  • Schlafentzug
  • Lichttherapie
  • Elektrokrampftherapie (nur noch in seltenen Fällen, zB bei Medikamentenunwirksamkeit angewandt)
  • Bewegungs-, Sport-, Atem-, Ergotherapie